Editorial

Barbara Freiburghaus, Präsidentin FDP Frauen Kanton Bern

Ich schwanke zwischen Empörung, dass es durch alle Instanzen (direkte Demokratie - zwischen 1920 und 1956 hat der männliche Souverän 25-mal Nein gesagt  auf kantonaler Ebene -, Bundesrat, Parlament, selbst Bundesgericht) so lange gedauert hat, bis die Hälfte der Bevölkerung dieselben Rechte wie die andere Hälfte erhalten hat, und der Bewunderung für insbesondere all die Frauen, die sich unermüdlich und jahrzehntelang für das Frauenstimmrecht in der Schweiz eingesetzt haben.

Was hat es für Geduld und Hingabe benötigt, um immer wieder Rückschläge zu verkraften und weiterzumachen. Was ging in den Frauen vor, wenn wir heute die Argumente und Begründungen für die Verweigerung dieses Grundrechts lesen und hören!

Wir, die wir heute das Recht auf Wählen und Abstimmungen so selbstverständlich erachten, können uns nicht genug bei diesen Frauen bedanken (Dr. Ida Somazzi, Dr. Annie Leuch, Dr. Louise Grütter, Marie Boehlen, Marthe Gosteli u.v.a.). Viele Frauenrechtlerinnen haben einen sehr hohen Preis für ihr Engagement bezahlt.

Und wo stehen wir heute? Rechtlich ist die Gleichberechtigung gesetzlich verankert. Im Alltag gibt es noch einiges zu tun.

Die gelebte Chancengleichheit ist leider trotz allen Erfolgen im Jahr 2021 noch nicht Realität. Noch immer ist die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Politik für viele Eltern eine grosse Herausforderung; noch immer sehen wir wenig Frauen in den Chefetagen, noch immer werden Jungs in der Karriereplanung anders behandelt als Mädchen, noch immer wird in der Medizinforschung zu wenig dem Umstand Rechnung getragen, dass männliche und weibliche Körper unterschiedlich reagieren.

Wir brauchen im Jahr 2021 ein klares Bekenntnis der Männer und Frauen zu einer Gesellschaft, in welcher Frauen und Männer auf Augenhöhe miteinander leben, arbeiten und die Zukunft gemeinsam gestalten.

Rückblick von Dora Andres, ehemalige Regierungsrätin:  Ist eine Frau von etwas überzeugt, kann sie heute das Ziel erreichen. Nachdenklich gestimmt hat mich, dass ich jeweils die erste Frau der FDP im Gemeinderat, die erste FDP Grossrätin aus dem Amtsbezirk Interlaken und auch die erste FDP Regierungsrätin war. Wir sind noch nicht am Ziel, da liegt noch viel Arbeit vor uns, doch es liegt an den Männern und an den Frauen.

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Nicht nur der politische, auch der rechtliche Kampf für die Gleichstellung von Mann und Frau war lang und harzig. Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Vorstösse der Frauen erfolglos.

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Käthi Bangerter war von 1993 – 1996 die bisher einzige Parteipräsidentin der FDP.Die Liberalen Kanton Bern. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Leben als Geschäftsfrau, Mutter und Politikerin und warum die FDP ihre politische Heimat ist.

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Die Hebamme berichtete meiner Mutter mit Tränen in den Augen von der grossen Enttäuschung, der wuchtigen Ablehnung des Stimm- und Wahlrechts der Frauen.

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Die FDP Frauen – auf Antrag von Nationalrätin Christa Markwalder und der Präsidentin der FDP Frauen Kanton Bern, Barbara Freiburghaus - lancieren erstmals in ihrer Geschichte eine Volksinitiative: zur Einführung der Individualbesteuerung in der Schweiz. Die gleichstellungspolitische Massnahme setzt finanzielle Anreize, damit sich die Erwerbsarbeit für Frauen lohnt.

Sie ist unser liberaler Beitrag vom 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimm- und Wahlrechts in diesem Jahr. Der Sammelstart erfolgt heute, 9. März 2021. 

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Büchervorschläge

Franziska Rogger "Wir werden auf das Stimmrecht hinarbeiten", NZZ-Verlag, 331 Seiten:  wie alles begann

Denise Schmid "Jeder Frau ihre Stimme", Verlag Hier+Jetzt, 328 Seiten:  Frauenstimmrecht - und dann?

Isabel Rohner, Irene Schäppi "50 Jahre Frauenstimmrecht", Verlag Limmat, 245 Seiten:  Prominente nehmen Stellung

Rita Jost, Heidi Kronenberg "Gruss aus der Küche", Rotpunkt Verlang, 221 Seiten:  historischer Rückblick und dann vor allem jüngere Frauen kommen zu Wort

Iris von Roten"Frauen im Laufgitter", efef-Verlag, 600 Seiten

Filmvorschläge

Spiel

"Ab ins Bundeshaus", das Schweizer Leiterlispiel zu 50 Jahre Frauenstimmrecht, Verlag Hier+Jetzt:  weibliche Spielfiguren auf dem Weg ins Bundeshaus; alle Spielzüge, welche die Figuren weiterbringen oder zurückwerfen, basieren auf historischen Tatsachen